(Donau Zeitung, 12.2.11)Mödingen Drei Monate Arbeit für drei Wochen Faschingsspaß: Seit Oktober tüfteln, sägen, schrauben, lackieren 38 junge Mödinger an ihrem Umzugswagen für die närrische Zeit 2011.
„1200 bis 1700 Stunden wird am Wagen gearbeitet“, sagt Christian Bräuninger, der Vorsitzende der Faschingsfreunde Mödingen nüchtern. Es sind nur noch knapp 14 Tage, bis er und seine Mitstreiter beim ersten von geplanten sieben Faschingsumzügen in dieser Saison mitfahren wollen: Endspurt. Und der hat es in sich. Jetzt wird jeden Abend und an den Wochenenden gewerkelt. Denn: „Die letzten acht Tage sind entscheidend“, sagt Bräuninger. In dieser Zeit entstehen Einzelheiten, Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, wie gut man das festgelegte Motto umgesetzt hat.
Heuer hat die Truppe „Mario Land“ gewählt. Eine Burg und eine Insel, angelehnt an das bekannte Konsolenspiel von Nintendo, sind schon auf dem rund neun Meter langen, flachen Anhänger montiert. Die Aufbauten aus Holz, Styropor, Lochblechplatten und Strukturputz leuchten in knalligen Farben. Aber zum Beispiel das Frontbild mit Mario, der Hauptfigur aus dem Videospiel, fehlt noch. Ohne den Klempner Mario in seiner roten Latzhose - das würde nicht funktionieren, meint Bräuninger. „Der Wiedererkennungswert wäre gleich null.“ Und nach über 15 Jahren Faschingswagenbau werde es immer schwieriger prägnante Motti zu finden. Las Vegas, Käpt’n Balu, Dschungelbuch und Lucky Luke hat es in den vergangenen Jahren schon gegeben. „Die leichten Themen sind eben schon weg.“
Angefangen hat alles 1995: Aus einer Laune heraus hat man damals eine Holzhütte, ein Geländer, Heuballen auf einen Anhänger befestigt. Und los ging’s. Für die passende Musik sorgte eine „bessere Zimmeranlage“. Die Zeiten sind vorbei: Auf dem aktuellen Wagen steht eine Soundanlage, die denen auf Rockpartys Konkurrenz macht. Mittlerweile hat der Verein einen eigenen Anhänger angeschafft, eine Hebebühne lässt die Narren in die Höhe schweben. Finanziell verausgaben wollen sich die Mödinger Faschingsfreunde dafür allerdings nicht. Einige Materialen werden gespendet oder stammen aus Abbruchhäusern. Geld, etwa für Diesel für den Traktor oder die Anlage, erwirtschaftet der Verein auf Gartenfesten oder bei anderen Aktionen.
Trotzdem werden die Umzugswagen Jahr um Jahr professioneller, die Dekoration aufwendiger, die Technik ausgefeilter, die Subwoofer und Boxentürme teurer. Warum das so ist? Bräuninger vermutet, dass es am Ehrgeiz der Faschingswagenbauer liegt. „Man will noch eins draufsetzen und den Wagen vom Vorjahr übertreffen.“
Klingt nach stressigem Knochenjob. Aber Wagenbauvorsitzender Alexander Sinning beschwichtigt: „Wenn es wie in einem Betrieb laufen würde, wäre der Wagenbau gestorben.“ Klar koste es ein bisschen Überwindung nach einem langen Arbeitstag noch mitzuhelfen. Aber die spaßige Stimmung, der Zusammenhalt in der Truppe mache die Anstrengungen wieder wett.
Mit Hochdruck wird in Mödingen trotzdem am Wagen gewerkelt - manchmal bis fünf Minuten vor der Abfahrt. Einmal passte ein Teil nicht in den Unterbau, ein anderes Mal wollte man einfach noch etwas verschönern, sagt Vorsitzender Bräuninger. „Da warteten die einen schon im Faschingskostüm vor dem Wagen, während die anderen noch in den Arbeitshosen steckten“, sagt der 30-Jährige und lacht.